Freiwillige Feuerwehr zu Selsingen

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Nach dem 1. Weltkrieg befand sich die Feuerwehr in einem desolaten Zustand, so dass ein völliger Neuaufbau erforderlich wurde. Aber bereits 1922 zählte man wieder 59 Mitglieder, darunter 2 Sanitäter, 3 Musiker und 1 Hornisten.

 

Claus CordesAls im Jahre 1923 Stellmachermeister Claus Cordes die Führung der Wehr übernahm, war er im selben Jahr auch zum Hauptmann der Pflichtfeuerwehr bestellt worden und von dem finanziellen Überschuss des Kreisfeuerwehrtages in Selsingen konnte eine einheitliche Feuerschutzkleidung angeschafft werden. Rock, Helm und Gürtel (Koppel) gehörten seitdem zur Standardausrüstung eines jeden Feuerwehrmannes. Die Selsinger Wehr war die erste Feuerwehr im Kreis Bremervörde, die bei Übungen und im Einsatz gleichmäßig uniformiert auftrat.

In den Jahren 1930 bis 1936 hatte die Freiwillige Feuerwehr 38 aktive Mitglieder. Die Zahl nahm in den nächsten Jahren erheblich zu, so dass 1940 etwa 80 Feuerwehrleute registriert waren. Allerdings befanden sich derzeit 41 Männer bei der Wehrmacht und 36 Anwärter wurden noch als solche geführt. Die hohe Zahl der Anwärter erklärt sich wohl dadurch, dass Angehörige der Wehr einen Arbeitsdienst zu leisten brauchten. Auch Feuerwehrmänner, die Mitglied der SA waren, mussten zum SA-Dienst nicht antreten, wenn zur gleichen Zeit eine Feuerwehrübung stattfand. 1942 wurden 20 Männer der Wehr als Hilfspolizisten vereidigt und der "Führer" der Freiwilligen Feuerwehr, Claus Cordes, erhielt den Rang eines "Obertruppführers", nachdem bereits 1936 die "Gleichschaltung" im Sinne des
NS-­Regimes erfolgt war.

Der 2. Weltkrieg forderte auch von der Freiwilligen Feuerwehr ein hohes Opfer an Menschenleben: 20 Feuerwehrleute kehrten nicht zurück.Umzug von 1923 Verständlich, dass auch nach diesem Kriege ein Neuaufbau der Wehr unumgänglich war. Erst um 1946 konnte wieder eine Versammlung stattfinden.

26 Jahre hatte Claus Cordes die Feuerwehr mit beispiellosem persönlichen Einsatz erfolgreich geführt, als er 1949 sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellte. Malermeister Hinrich Carstens wurde sein Nachfolger. Und 1957 übernahm Adolf Ohrenberg die Leitung der Wehr, 1968 erfolgte die Ernennung von Tischlermeister Johann Reith zum Ortsbrandmeister, der 1978 von Werner Ludwig als Leiter der Ortsfeuerwehr abgelöst wurde. Werner Ludwig stellte 1991 sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung und Jupp Mooij übernahm das Amt des Ortsbrandmeisters.


In den Dienstbüchern der Feuerwehr wurde immer eingehende von Versammlungen und Übungen berichtet, man führte Anwesenheitslisten und 4 .Heimatfest 1910
kassierte fleißig Strafgelder. Dagegen finden Löscheinsätze eigentlich nur beiläufig Erwähnung. So heißt es von dem großen Brand in Deinstedt am 10. September 1911: Brand in Deinstedt, 12 Wohnhäuser, 10 Schuppen, Brandwache und vom 12. Juli 1908 lautet die Eintragung: Erfolgloses Ausrücken der Wehr nach Haaßel.

Am 24. Dezember 1915 Brand im Gefangenenlager in Parnewinkel: Spritze hin, Gespann Gerken, 4 Mann, nachher kam August Vogel, und eine Eintragung vom Oktober 1932: Brand in Anderlingen: die Selsinger Wehr war noch in vollem Einsatz, als die Anderlinger Feuerwehrleute bereits nach Hause gegangen waren, und noch eine Eintragung aus jüngerer Zeit: 1. Januar 1958, Großfeuer Deinstedt Rohr 1: als erste Wehr Wasser gegeben.

Leider sind die Stammbücher und Dienstbücher der Feuerwehr nur lückenhaft überliefert, erst ab 1968 gibt es regelmäßig genaue Einsatzberichte, die einen guten Überblick vom Aufgabengebiet unserer Wehr vermitteln: Hierzu gehört nicht nur die Brandbekämpfung, sondern auch Hilfe bei Verkehrsunfällen, Suche nach vermissten Personen, Reinigen von Straßen - aber auch der Oste - von Ölspuren, Beseitigung von Bäumen, die auf Straßen stürzten, Leerpumpen von Kellern und Gräben bei Überschwemmungen, Ordnungsdienst bei Umzügen und öffentlichen Veranstaltungen, Absperrung bei Unglücksfällen (Flugzeugabsturz), Sammlungen aller Art (Papier, Weihnachtsbäume, Altkleider für das Rote Kreuz), Herunterholen von Katzen aus Bäumen und von Dächern.